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Interview mit dem Firmenmitbegründer von "netcos AG",
Gunther Pippèrr, geführt von Tatjana Schötz
Der Weg zum Consulting-Unternehmer: Seit 1. Juli 2003 sind Gunther Pippèrr
und seine Partner mit ihrer Firma "netcos AG" auf dem Markt.
Die derzeit herrschende Flaute für Firmengründungen gerade im EDV-Bereich
konnte sie nicht schrecken. Handwerkliche Fähigkeiten sind wieder gefragt
in der EDV-Branche. Und aus der Sparte kommt er.
Was ist das Besondere an Ihrem Unternehmen?
Ich habe mir eine Gruppe von Freiberuflern gesucht, alle Experten auf ihrem
Gebiet, mit denen ich zusammenarbeite: nicht nur EDV-Leute, sondern auch
einen Wirtschaftsprüfer und einen Rechtsanwalt, der sich im Internet- und
Securitybereich sehr gut auskennt.
Welchen Service bieten Sie Ihren Kunden?
Wenn zum Beispiel jemand eine Netzwerkanbindung haben möchte, die höchsten
Sicherheitsansprüchen genügt, dann bekommt der Kunde von uns eine Komplettlösung,
wie man das Ganze von der organisatorischen Seite her umsetzen kann,
welche rechtlichen Aspekte dabei zu berücksichtigen sind und wie er mit seinen
Mitarbeitern umgehen muss, um auch alle rechtlichen Aspekte, die das Teledienstgesetz
etc. ihm vorschreibt, zu erfüllen. Wir unterstützen ihn in der Organisation, was meistens
der deutlich anspruchsvollere Teil ist als die Technik, und wir betreuen ihn später, damit
er das System betreiben kann. Und weil wir auch relativ produktunabhängig sind, können
wir besser auf den gesamten Warenkorb, der im Markt ist, zugreifen. Wir setzen dabei möglichst
hochwertige, aber kostengünstige Software ein."
Wie wichtig ist der Securitybereich heute für eine Firma?
Das Security-Thema hat sich jetzt zum Thema Nummer eins entwickelt. Die meisten
Firmen haben ganz erhebliche Sicherheitsprobleme. Viele haben zwar bereits angefangen,
die Gefahr im Internet zu bannen, durch Firewallkonstrukte zum Beispiel. Aber Security bedeutet
mehr, dass ich intern meine ganzen Strukturen überwachen muss, dass ich schauen muss,
wer Daten benutzt. In diesem Bereich haben die Firmen noch riesige Defizite. Das heißt
aber auch, dass in diesem Bereich ein riesiger Markt zu finden ist, der sich entwickelt. Denn
Security braucht jeder. Jede Firma, die drei Angestellte hat, bräuchte im Prinzip solche Mechanismen.
Das können sich kleine Firmen zur Zeit noch nicht leisten, weil das alles sehr teuer ist.
Aber ich glaube, dass in Zukunft auch günstigere Lösungen auf den Markt kommen und in diesem
kleineren Mittelstandbereich ganz wichtig werden.
Welche Auswirkungen hat die rasche Entwicklung im EDV-Bereich für die einzelnen Firmen?
Die Firmen, die es nicht schaffen, damit Schritt zu halten, die wird es relativ schnell nicht
mehr geben. Die Menge an Wissen wird immer größer. Wir haben den Punkt noch nicht erreicht,
wo man sagen kann: das, was ich weiß, reicht, und damit kann man arbeiten. Die ganzen alten
Sachen aus den 70ern sind immer noch hochaktuell, dazu kommt alles Neue. Es wird für die Firmen
immer schwieriger das zu überschauen. Man braucht im Prinzip die gesamte Erfahrung von dreißig
Jahren EDV-Geschichte.
Kann das einzelne Unternehmen das leisten?
Für eine Firma ist es tatsächlich schwer möglich, soviel Erfahrung zu sammeln. Dazu kommt,
dass man bestimmtes Wissen auch nur gelegentlich braucht, zum Beispiel das Installieren von
bestimmten Programmen unter Unix. Das brauche ich einmal und dann ein Jahr lang nicht mehr.
Solch ein Potential sich zuzulegen und die Leute dahingehend auszubilden wäre für eine Firma viel
zu teuer. Hier ist es immer besser, auf erfahrene Partner zurückgreifen zu können.
Das heißt, der Bedarf an Firmen wie Netcos AG ist nach wie vor groß?
Die Präsenz der EDV im Allgemeinleben und in der Wirtschaft ist so groß, dass auch der Bedarf
an Betreuung, Beratung und den Produkten enorm groß ist. Die Dotcom-Pleite hat gezeigt, dass
mit unausgegorenen Geschäftsmodellen und mit Leuten, die sich nicht auskennen, auch kein
Geld zu verdienen ist. In jedem Gewerbebereich, in dem Leute sich dilettantisch anstellen, geht
eine Firma den Bach runter. EDV ist und bleibt weiterhin der Kernbestandteil einer Firma. Es sind
halt keine Hypes mehr drin, keine Tausend-Prozent-Spannen.
Heißt das, die EDV-Branche muss jetzt umdenken?
Die Computerdienstleister müssen sich auf das klassische Handwerk besinnen. Ich bin
eigentlich gelernter Koch. Zum Studium der technischen Informatik bin ich dann über eine
Lehre als Kraftfahrzeugelektriker gekommen und bei Oracle und der Internettechnologie gelandet.
Wer in der Computerbranche Erfolg haben will, der muss handwerklich hohe Qualität abliefern
wie alle anderen Handwerker auch.
Vielen Dank für das Gespräch.
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